Eine Auswirkung der Krise sind vermehrte Kündigungen aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten vieler Unternehmen. Ein Schriftstück, dem in der Bewerbung immer noch viel wert beigemessen wird, muss jetzt erstellt werden: Das Arbeitszeugnis.

In Zeiten drängenderer Probleme kann es sein, dass dem Zeugnis nicht so viel Raum geben wird, wie es erforderlich wäre. Da es jedoch einen oft entscheidenden Einfluss auf die Einstellung hat, hier wichtige Hinweise, worauf Sie achten sollten, wenn Sie ein Arbeitszeugnis erhalten:

Formalia

Stimmen Austritts- und Ausstellungsdatum überein? Eine Diskrepanz kann einen Hinweis darauf liefern, wie Ihr Arbeitsverhältnis auseinander gegangen ist. Liegt z. B. das Ausstellungsdatum Wochen nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses, kann es auf einen Arbeitsgerichtsprozess hindeuten.

Wer hat unterschrieben? Es sollen immer ranghöhere Personen unterschreiben, da das Ihre Reputation im Unternehmen aufzeigt. Ein Zeugnis, welches von einer „Kollegin“ unterschrieben wurde, stellt das infrage.

Tippfehler, Sauberkeit, keine Heftung und keine Knicke sind selbstverständlich.

Auch sollte ein Zeugnis nicht mehr als 2 Seiten umfassen, auch bei längerer Beschäftigungsdauer. Ausnahmen sind Führungskräfte-Zeugnisse.

Inhalt

Die innere Struktur eines Zeugnisses ist ebenfalls festgelegt und sollte eingehalten sein:

  • Einleitung mit Namen, Geburtsdatum und -ort, Eintritts – und ggf. Austrittsdatum sowie Ihre Position.
  • Kurze Unternehmensbeschreibung (2.-3 Sätze)
  • Aufgabenbeschreibung
  • Leistungsbewertung (Arbeitsbereitschaft, Arbeitsweise, Arbeitsbefähigung, Wissen, Weiterbildung, wenn möglich konkrete Arbeitsergebnisse sowie Aussagen zur Qualität Ihrer Arbeit.
  • Gesamtzufriedenheitsaussage
  • Verhaltensbeurteilung (Intern, Extern, Sozialverhalten)
  • Schlussformulierung (Grund des Ausscheidens, Bedauern, Dank und Zukunftswünsche)

Wenn einem Entscheider ein Zeugnis vorliegt, lesen es die wenigsten von vorn bis hinten. Meist beginnt das Lesen am Ende des Zeugnisses, bei der Abschlussformulierung. Da es sich hier um ein nicht verbrieftes Recht handelt. Heißt, Sie haben kein Recht auf diesen Zeugnisbestandteil und auch kein Recht auf bestimmte Formulierungen. Einzelne Gerichtsurteile haben das bereits anders entschieden, aber noch nicht überall gelten diese Urteile. Deshalb ist hier die größte Handlungsfreiheit für Unternehmen.

Abschlussformel

Sie besteht im Endzeugnis aus 4 Aspekten:  Dem Austrittsdatum mit entsprechendem Grund. Mögliche Gründe sind – eigner Wunsch, betriebsbedingt und bestes beiderseitiges Einvernehmen. Dem folgt das Aussprechen des Bedauerns über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Der besondere Dank und die besten Zukunftswünsche beenden ein Zeugnis.

Merke: Wenn eine Aussage fehlt (Bedauern, Dank, Zukunft) wird je fehlendem Aspekt eine Note von der Gesamtnote abgezogen. Fehlt die Schlussformel ganz, wird das Zeugnis mit der Note 5 gewertet.

Aufgaben

Der nächste Blick wird den Aufgaben gewidmet. Sind hier Aufgaben aufgelistet, die dem Berufsbild entsprechen? Finden sich hier die Aufgaben wieder, die der Bewerber auch bei uns erfüllen soll? In welcher Reihenfolge werden sie aufgelistet? Von qualitativ hochwertig zu Routineaufgaben oder steht Abheften an erster Stelle? Eine unerwartete Reihenfolge kann ebenfalls Hnweise darauf geben, dass Sie bei der Erfüllung der Aufgaben nicht so gut waren, wie man sich gewünscht hätte.

Auch ist es nicht hilfreich alle Aufgaben aufzulisten. 6-8 Kernaufgaben sind in der Regel vollkommen ausreichend. Sonderaufgaben wie Projekte sollten extra benannt werden.

Übrigens werden die Aufgaben den einzelnen Funktionen zugeordnet und die Reihenfolge geht dabei chronologisch vor.

Leistung

Die Leistungsaussage sollte mindestens drei der oben genannten Aspekte enthalten und in der Auswahl der bewerteten Fähigkeiten zu den Aufgaben passen. Also in einem Zeugnis für eine Assistentin erwartet man Gewissenhaftigkeit, selbstständiges Arbeiten und Zuverlässigkeit. Bei einer Führungskraft wäre dies selbstverständlich. Hier zählen Urteils- und Entscheidungsfähigkeit, Mitarbeiterführung und Innovationen. Selbstverständlichkeiten wie Pünktlichkeit, Sauberkeit, Ehrlichkeit z.B. werden nur bei entsprechenden Berufsbildern bewertet.

Verhalten

Im Verhalten kommt es auf die vollständige Nennung der Bezugspartner an und in welcher Reihenfolge sie genannt werden. Die korrekte Reihenfolge lautet: Vorgesetzte, Kollegen und Mitarbeiter (bei Führungskräften). Kunden können am Anfang genannt werden, wenn Kundenkontakt Ihre Hauptaufgabe war. Aussagen zu Sozialverhalten sollten bei Arbeitsverhältnissen über drei Jahren ebenfalls nicht fehlen, da eine zu knappe Verhaltensbeurteilung darauf hindeuten kann, dass man mit Ihrem Verhalten nicht so ganz zufrieden war. Explizite Aussagen zu Dritten sind immer dann angebracht, wenn Sie repräsentative Aufgaben zu erledigen hatten.

Fazit

Sie sehen, im Zeugnis kommt es auf mehr als den Inhalt der Leistungsbewertung an. Da eine wohlwollende Beurteilung vom Gesetzgeber angemahnt wird, haben sich viel Hinweise entwickelt, die dem Entscheider mitteilen könnten, was offen nicht aufgeschrieben werden kann. Übrigens wohlwollend entspricht der Note 3.

Also prüfen Sie Ihr Zeugnis sorgfältig oder übergeben es im Zweifel einem Profi.