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Spezialist oder Generalist?

von | Apr 2, 2021 | Allgemein

Was ist NewWork?

New Work bezeichnet alternative Arbeitsmodelle- und Formen und geht auf das Theoriekonzept des Sozialphilosophen Frithjof Bergmann aus den 70er-Jahren zurück. Bergmann sah den Zweck von Arbeitstätigkeiten während der industriellen Revolution insbesondere darin, eine bestimme Aufgabe zu erfüllen. Als eingesetztes Mittel diente die menschliche Arbeitskraft, die er als bloßes Werkzeug definierte. Seine Theorie über die Idealform der New Work, sieht die Arbeit an sich als Mittel, mit der sich der Mensch als Individuum verwirklichen kann. Somit geht es bei der neuen Arbeit neben der Selbstverwirklichung um Werte wie Freiheit und Selbstständigkeit. New Work ist aber nicht nur eine Arbeit, die Spaß macht oder gut mit dem Privatleben zu vereinbaren ist, auch soll sie die Anforderungen an die moderne Arbeitswelt mit den individuellen Interessen, den persönlichen Überzeugungen und den eigenen Werten in Einklang bringen.
In der modernen Arbeitswelt, auch Arbeitswelt 4.0 genannt, verschwimmen die Grenzen zwischen der Arbeit und dem Privatleben zunehmend. Die Bedeutung von New Work in Zusammenhang mit diesem immer mehr geforderten Work-Life-Blending, gewinnt daher zunehmend an Bedeutung.

Arbeitswelt 4.0 – Wie sehen die moderne Arbeitskonzepte in der NewWork aus?

Die Digitalisierung und die damit einhergehende Schnelllebigkeit der Wirtschaft hat eine neue und moderne Arbeitswelt geschaffen. Die Unternehmen müssen schneller, agiler und flexibler auf die sich stetig verändernden Wettbewerbsbedingungen reagieren. Das gelingt nicht mit veralteten und konservativen Konzepten, die die meisten Unternehmen bisweilen noch betreiben. Die Arbeit soll produktiver werden und zugleich mit den Bedürfnissen der Arbeitnehmer im Einklang stehen. Überstunden, Konkurrenzkamp und Präsenzarbeit gilt dabei nicht mehr als zeitgemäß. Aus dem bislang bekannten Konzept der Work-Life-Balance, soll eine tatsächliche Ausgewogenheit zwischen Privat- und Arbeitsleben geschaffen werden, indem die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben aufgehoben wird. Neben den Arbeitsinhalten soll auch die Arbeitszeit verkürzt werden. Die 30-Stunden Woche gilt als das neue Vollzeitmodell. Daneben stehen zwischenmenschliche Beziehungen und eine echte Unternehmenskultur im Zentrum der Unternehmenskultur.

Die Ansätze der Unternehmen in der modernen Arbeitswelt sind sehr unterschiedlich. Viele Unternehmen passen ihre Arbeitsstrukturen beispielsweise so an, dass die Mitarbeiter über die Arbeitszeit oder den Arbeitsort selbstständig entscheiden können. Zum Teil gestalten die Unternehmen auch bereits agile Arbeitsformen wie Jobsharing oder Jobrotation. Zusätzlich gibt es bereits die ersten Unternehmen, die dem Prinzip der holokratischen Organisation folgen. Dabei gibt es keine konkreten oder bestimmten Stellen mehr. Das Unternehmen und die Mitarbeiter verändern sich damit kontinuierlich. Auch gibt es weder Abteilungen noch dauerhafte Führungspositionen. Stattdessen organisieren sich die Unternehmen in Kreisen, die aus bestimmten Rollen bestehen. Diese Rollen richten sich an den Aufgaben des Unternehmens aus und bekommen feste Verantwortlichkeiten zugewiesen. Wie die Kreise zusammengefasst werden und wie und ob neue Rollen entstehen oder verschwinden, organisieren die Kreise selbst. Die Rollen und Kreise stehen dabei immer im direkten Bezug zu den Arbeitsaufgaben. Ist eine Rolle zu komplex, kann eine neue geschaffen werden. Entstehen dann mehrere Rollen, wird ein neuer Kreis gebildet. Diese Unternehmensstruktur hat einen sehr dynamischen Charakter. Folglich wird ein Mitarbeiter mehr als nur eine Rolle verwirklichen können und hat damit einen enormen Vorteil, denn er ist nicht mehr an nur eine Aufgabe gebunden. Fällt bei herkömmlichen Organisationsstrukturen eine Stelle weg, so hat der Mitarbeiter keine Aufgabe mehr und muss möglichweise um seinen Job bangen.

Vorteile des Generalisten gegenüber dem Spezialisten

Der Spezialist ist ein Fachmann, der in einem ganz bestimmten Fachbereich über tiefe Fachkenntnisse verfügt und daher oft eher ganz bestimmte Aufgaben in einem Unternehmen wahrnehmen kann und wird. Das mag für konservative Arbeitsstrukturen durchaus ein Vorteil sein, der Trend geht aber zunehmen in agile und flexiblere Konzepte, wie dem holokratischen Arbeitskonzept. Der Spezialist ist daher oft an spezifische Arbeitsgebiete gebunden und läuft Gefahr, dass bei Wegfall seiner Stelle z. B, durch Künstliche Intelligenz, Robotik u.ä., der Jobverlust droht. Der Generalist hingegen ist aufgrund seiner Vielfältigkeit in diversen Bereichen einsetzbar.

Karrieremöglichkeiten des Generalisten

Auch wenn die Chancen für einen Generalisten in der Arbeitswelt 4.0 mitunter gut gestreut sind, so kann sich die Jobsuche als sehr schwierig gestalten. Denn die Arbeit muss zu der Person passen! Da der Einsatz in verschiedenen Bereichen möglich ist, z. B. im Vertrieb, im Marketing, im Controlling, in einem Großkonzern oder doch in einem mittelständischen Unternehmen, denn er passt eigentlich überall hinein. Das ist zugleich auch sein größtes Problem, denn er kann sich in jedem Bereich sehen und traut sich alle Aufgaben zu. Jedes Unternehmen wird plötzlich zum potenziellen Arbeitgeber. Das führt in der Praxis meist zu einer Überforderung bei der Jobsuche und möglicherweise im gesamten Berufsleben. Generalisten haben das Gefühl, nie anzukommen. Immer sind sie auf der Suche nach ihrer Berufung. Zudem wird es kein Unternehmen geben, welches zu 100 Prozent zu dem eigenen Profil passt, dennoch sollte kritisch eingegrenzt werden.

Wichtigste Regel also: Bewusst werden, worin die größten Stärken bestehen und das eigene Profil nicht zu weit streuen. Auch die Bedürfnisse, die Generalisten an die Unternehmenskultur stellen, dürfen nicht unbeachtet bleiben. Andernfalls sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Nachdem die eigenen Stärken bewusstgemacht und definiert sind, wird der Karriereweg geplant und konkrete Ziele formuliert. Das gelingt am besten mit den bekannten W-Fragen: Wie sieht mein idealer Traumjob aus? Welche Ziele im Beruf und im Leben will ich erreichen? Welche Werte sind mir dabei wichtig? Wo möchte ich in fünf oder zehn Jahren stehen? Und mit welchen Schritten erreiche ich meine Ziele?
Der Generalist sollte daher keinen Spezialisten vortäuschen. Sich einzugestehen ein Generalist mit ganz vielfältigen Fähigkeiten und Kenntnissen zu sein und dazu zu stehen, ist unerlässlich für Zufriedenheit im Job. Entscheidend ist Kante zu zeigen und die eigenen Stärken klar definiert vorbringen. Eine breite Streuung der Erfahrungen und Kompetenzen führt meist nur zur Verunsicherung auf der Gegenseite.

Ist dann der Schritt in die neue Arbeit gelungen, so gilt es weiterhin die Überforderung im alltäglichen Arbeitsleben zu verhindern. Der Generalist wird gerne als „Mädchen für alles“ genutzt. Daher ist „Nein-Sagen“ das wichtigste Lernfeld für Generalisten. Die Rolle, die er in seinem Unternehmen darstellt, sollte der Generalist ausschließlich selbst definieren.
Der Generalist hat gute Chancen auf eine erfolgreiche Karriere, da nur er sich optimal anpassen und verändern kann. Das gilt insbesondere für Führungskräfte, denn den einen passenden Führungsstil gibt es eh schon nicht mehr. Von der modernen Führungskraft wird vielmehr ein „Supportive Leadership“ gefordert, der die individuellen Bedürfnisse aller Mitarbeiter fördert und unterstützet. Dafür ist insbesondere der Generalist bestens geeignet.

Fazit

Auch wenn in vielen Bereichen noch lange Spezialisten gebraucht werden, so ist der Generalist langfristig deutlich im Vorteil. Insbesondere die Digitalisierung lässt die Arbeitswelt 4.0 dynamischer und schnelllebiger werden. Den daraus resultierenden Anforderungen an die moderne Arbeitswelt, können Spezialisten nicht ausreichend gerecht werden. Der Generalist hat insbesondere in zukünftigen Arbeitsstrukturen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und wird daher zunehmend gefragter. Auch wenn der Generalist bei der Jobsuche und im darauffolgenden Berufsleben größere Hürden zu überwinden hat, so hat er die gleichen Karrieremöglichkeiten wie ein Spezialist. Der Aufwand bei der Gestaltung seiner Karriere mag ein größerer sein, dennoch langfristig mehr als lohnenswert