„Wenn der Chef nicht wäre, wäre ich in dem Unternehmen geblieben.“ oder „Also, was die alles versprochen haben, wovon sie jetzt nichts mehr wissen wollen.“ und „Ich habe mich totgearbeitet und kein Wort, keine Geste der Anerkennung.“

Gründe, die Menschen dazu bringen, das Unternehmen zu verlassen. 44 % in den ersten 6 Monaten. Gehören Sie dazu? Haben Sie schon einmal aus diesen oder anderen kulturellen Gründen ein Unternehmen verlassen oder stehen jetzt gerade vor der Frage, sich neu zu orientieren? Dann sollten Sie sich mit der Frage: Was will ich? auseinandersetzen.

Unternehmensstruktur

Konzern, Mittelstand, Familienbetrieb oder Start-up – jedes Unternehmen funktioniert anders und braucht einen unterschiedlichen Menschentyp. Im Konzern geht es eher darum, sich in einer starren Hierarchie mit strikten Weisungsketten und oft wenig oder eng eingeschränktem Entscheidungsspielraum zurechtzufinden.

Das mittelständische Unternehmen ist stärker von flacheren hierarchischen Strukturen geprägt. Es sind mehr Generalisten gefragt, Entscheidungsspielräume sind größer, so auch Verantwortungsbereiche und die Chance sich auszuprobieren. Weniger Möglichkeiten gibt es dagegen auf der Karriereleiter. Die Posten sind oft fest vergeben und es gibt nicht so viele davon.

In einem Familienunternehmen hat immer noch der Patriarch das Sagen. Dafür kümmert er sich um seine Leute, entwickelt sie weiter und erwartet eigene Ideen und Ansätze, um das Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten. Ob die dann immer umgesetzt werden, hängt allerdings oft noch von ihm allein ab.

Start-ups überzeugen durch unkonventionelle Arbeitsweisen, Selbstverantwortung, flache Hierarchien und einen starken Gemeinsinn. Sich hier von den gemeinsamen Aktivitäten auszuschließen, kann schon mal sauer aufstoßen. Dafür kann man sich ausprobieren, Ideen einbringen und mehr arbeiten, als im Vertrag steht. Das macht man meist aber gern, denn das Unternehmen ist ja noch im Aufbau.

Geht man in die öffentliche Verwaltung, Verbände, Genossenschaften o.ä., dann gelten wieder eigene Regeln.

Niemand passt in jede Kultur und nicht jede Kultur will Jeden haben. Sie sollten vorher genau überlegen, wie Sie arbeiten wollen.

Unternehmenskultur

Neben den unterschiedlichen Strukturen haben Organisationen ein Eigenleben entwickelt, die sogenannte Unternehmenskultur. Die spüren sie deutlich, wenn es um Kommunikation, Anerkennung, Entwicklungsangebote, Regeln und Normen geht. Dahinter stehen die Unternehmenswerte, die oft genug von den Leitbildern der Unternehmen abweichen. Wovon sie nicht abweichen sollten, ist von Ihren Werten.  

Unternehmenskulturen wachsen langfristig und sind, je größer und älter das Unternehmen schwer veränderbar. Vor allem, da es viele Subkulturen gibt, die sich unter dem bestehenden Dach entwickelt haben. So kann es auch sein, dass es in einer Abteilung, einem Unternehmensteil anders läuft. Trotzdem ist alles einer Kultur untergeordnet und Abweichungen haben oft keine große Chance zu überleben – also schauen Sie genau hin.

Woran erkennen Sie die Unternehmenskultur? Daran …

  • wie Führung sich verhält,
  • wie der Arbeitsalltag für die Mitarbeiter organisiert ist,
  • welche Wertschätzung in Unternehmen herrscht und wie sie sich zeigt,
  • welche Werte spürbar gelebt werden,
  • an welchen Vorbildern sich die Mitarbeiter orientieren können,
  • wer was wie vorlebt oder wer was unterlässt.

Auf dieser Basis werden Entscheidungen – auch Einstellungsentscheidungen – getroffen, da hinter diesen gelebten Werten oft ein bestimmtes Menschenbild steht.

Räumliche Rahmenbedingungen

„Also wenn es sein muss, fahre ich auch 1,5 oder 2 Stunden zur Arbeit.“ höre ich immer wieder. Wirklich? Das bedeutet für Sie 3 – 4 Stunden weniger Lebenszeit. Oder auch Überstunden, denn in dieser Zeit arbeiten viele, beantworten Mails, stellen Präsentationen zusammen oder lesen wichtige Berichte. Alles ok, nur ist es Arbeit – und diese kommt eben noch auf die „normale“ Arbeitszeit oben drauf.

Dass auch Gebäude und Einrichtungen Einfluss darauf haben, dass wir uns wohlfühlen, hat der ein oder andere sicher schon gemerkt. Können Sie gut im Großraumbüro arbeiten? Brauchen Sie Tageslicht, um gut zu sein? Fühlen Sie sich von schweren Eichenmöbeln angezogen oder bevorzugen Sie eher leichte, luftige und moderne Möbel?

Sie glauben, dass sei nicht so wichtig? Ich halte dagegen, eine Atmosphäre, die Ihnen entspricht, lässt Sie gern zur Arbeit gehen, inspiriert Sie und sorgt für Wohlbefinden.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Und natürlich sollte bei all dem auch das Geld stimmen. Denn auch wenn wir gern arbeiten, nur von Luft und Liebe (auch nicht von der Liebe zur Arbeit) lässt es sich leben. Setzen Sie sich Rahmen, rechnen Sie aus, was Sie zum Leben haben wollen. Gehen Sie mit einer festen Vorstellung ins Gespräch. (natürlich begründet) Wenn Sie jetzt noch die Regeln der guten Verhandlungsführung beherrschen – sollte es klappen.

Wie finde ich heraus, wie das Unternehmen tickt?

Wie Sie das herausfinden fragen Sie sich jetzt? Nun einmal, indem Sie zum Beispiel Kontakt mit Menschen aufnehmen, die bereits in dem Unternehmen arbeiten. Über Social Media ist das heute kein Problem mehr. Fragen Sie sie zum Beispiel, was gut in Ihrem Unternehmen läuft und was nicht so gut. Sie werden über die Antworten erstaunt sein.

Sie können aber auch in den Kantinen vieler Unternehmen zum Essen gehen, dort kann man sehr gute Milieustudien machen.

Und nicht zuletzt geht auch um die richtigen Fragen im Vorstellungsgespräch – bohren Sie nach. Lassen Sie nicht locker. Das Unternehmen macht es bei Ihnen genauso. Es geht schließlich darum, für sich den besten Arbeitgeber zu finden.

Fazit

Vielleicht habe ich an der ein oder anderen Stelle etwas überzeichnet. Aber als Karriereberaterin seit über 13 Jahren, als Personalerin und immer wieder erfolgreiche Quereinsteigerin, habe ich all das selbst erlebt. Ich weiß, wie man sich täuschen kann und ich weiß, dass es sich in jedem Fall lohnt, hier genau hinzuschauen. Und: Ich habe oft genug erlebt – je genauer Sie wissen, was Sie wollen, desto leichter findet sich der passende Job beim passenden Arbeitgeber.