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Was ist NewWork eigentlich für Sie?

von | Aug 19, 2021 | Beruf, NewWork, Personalentwicklung

Gestern las ich einen Facebook-Post zum Thema NewWork mit genau dieser Frage. Darunter stand ein Kommentar: NewWork ist auch bloß wieder so eine Modeerscheinung in 2022 spricht kein Mensch mehr darüber.

Ok, kann ich verstehen diese Meinung. In Deutschland gibt es mehr als 50 Managementsysteme und die meisten von uns haben schon eins oder mehrere über Unternehmen und Mitarbeiter gestülpt, miterlebt. (Die wenigsten davon stammen übrigens aus Deutschland.) Hoch euphorisch begonnen und wenn nach kurzer Zeit nicht die gewünschten Erfolge eintraten, wieder fallengelassen und das nächste ausprobiert. (Wobei oft die gewünschten Erfolge gar nicht genau definiert werden). In einer Organisation habe ich sogar erlebt, dass drei Systeme an verschiedenen Stellen nebeneinander eingeführt werden sollten – 3 Organisationsberater, die sich nicht kannten und nichts voneinander wussten. So what.

Eine Stunde später bekam ich eine Anfrage für ein Projekt:

NewWork und Personalentwicklung in einem Unternehmen verbinden und lebbar zu machen. Mein Herz hüpfte, denn meine zwei Herzensthemen miteinander verbunden, was kann schöner sein.

Die erste Frage, die mir die Frau stellte: Was verstehen Sie eigentlich unter NewWork?

Ganz klar: Für mich ist es keine Modeerscheinung. Für mich verbindet sich NewWork eng mit dem Gedanken von Bergmann: Leben und Arbeiten, wie Sie wirklich wollen.

Und das ist es seit fast 15 Jahren. Vorher wurde ich in Jobs geschubst, habe sie aus Not angenommen und manchmal aus Eitelkeit behalten. Die Konsequenzen waren meist nicht gut: Kündigung, Krankheit und vor allem die Auswirkungen auf mein Leben außerhalb des Jobs … Immer wenn ein Arbeitsverhältnis zu Ende ging (was so alle 5 jahre der Fall war) bekam ich die Rückmeldung: Endlich, du warst ja schon nicht mehr zu ertragen. So unleidlich./So oft krank. …

Irgendwann hatte ich genug davon und stellte mir die Frage. Was will ich eigentlich? Wie will ich arbeiten? Was will ich tun? Wo will ich sein?

Und genau das ist für mich der Kern von NewWork. Herauszufinden, wer ich bin, was ich kann und machen will und wo ich es tun will und wie viel ich damit verdienen will. Und dann eine Aufgaben, einen Ort und Menschen zu finden, die mich das tun lassen.

Was hat das mit Personalentwicklung zu tun?

Und hier setzt für mich auf Unternehmensseite die Personalentwicklung an. Menschen dabei zu unterstützen, dies herauszufinden und sie mit den Unternehmensaufgaben in Einklang zu bringen. Interne Weiterentwicklung an den Interessen und dem Können der Mitarbeiter ausgerichtet. Kulturelle Passung in die Entwicklung einzubeziehen. Da das oft für Unternehmen so nicht leistbar ist, steht eigenverantwortliches Entwickeln ganz oben auf meiner Liste. Versetze die Mitarbeiter in die Lage, ihren Weg zu erkennen, schaffe Räume für Entwicklung, gib ihnen die Möglichkeit der Finanzierung und unterstütze sie wo nötig z. B. mit Beratung.

„Kann ich auch einen Yogakurs machen?“

Das ist nicht von heute auf morgen schaffbar. Vielen ist Eigenverantwortung mittlerweile abtrainiert worden. Ungläubigkeit, Angst, sich für eine falsche Richtung zu entscheiden oder gar nicht zu wissen, wohin die eigene Reise gehen soll – alles führt zu Skepsis und letztendlich oft zu ungenutzten Ressourcen. Ich habe eine Organisation erlebt, in der Personalentwicklung von heute auf morgen in die Hände der Mitarbeiter gelegt wurde. Jeder bekam 3000 € für die eigene Verwendung. Ergebnis: Das Geld wurde von kaum jemandem abgerufen, denn es war nichts klar. Nicht wofür es verwendet werden konnte, nicht ob auch Reisekosten enthalten sein können, nicht, ob es mit irgendwem abgestimmt werden musste. „Kann ich auch einen Yogakurs machen?“ lautet nur eine der viele Fragen.

Wie sehe ich NewWork?

Ich jedenfalls sehe für NewWork eine zukunftsweisende Einstellung oder Haltung. Sie wird vorangetrieben von Menschen, die wieder mehr Sinn in ihrer Arbeit suchen, die zufrieden sein und die Ergebnisse ihres Wirkens erleben wollen. Dafür übernehmen sie gern Verantwortung und zeigen Leistung. Was sie erwarten ist Anerkennung, Wertschätzung und Respekt sowie eine angemessene Bezahlung. Dazu gehört Klarheit und Struktur, die Möglichkeit aus Fehlern zu lernen – also emotionale Sicherheit.

In der Praxis sehe ich immer mehr Menschen, die sich auf die Suche begeben und deshalb glaube ich diesmal an eine Revolution von „unten“.