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Wer „Anschreiben schreiben“ googelt, findet viele Tipps. Doch viele davon kann man sich getrost sparen. Denn die Anschreiben, die Personaler wirklich begeistern, bestechen durch Individualität. Und das erreicht man dadurch, dass man sich vor dem Schreiben fünf essenzielle Fragen stellt.

Doch zuvor: Weißt Du, warum Unternehmen überlegen auf Anschreiben zu verzichten? „Weil sie nicht überzeugen, weil sie nichts sagen, was schon im Lebenslauf steht.“

Frustrierend, für die, die schreiben? Wie viele Stunden bringen wohl Menschen in diesem Land mit dem Schreiben von Anschreiben zu, wie lange mögen sie daran feilen? Erleichterung auf der Seite derjenigen, die sich die Mühe gar nicht erst machen wollen.

Doch noch ist es nicht so weit, dass flächendeckend auf ein Anschreiben verzichtet wird. Denn sind Anschreiben die große Chance der Bewerber, auf sich aufmerksam zu machen, einen Unterschied darzustellen. Sie sind die Chance, einen Blick auf die Person zu öffnen, die Motivation aufzuzeigen. Vor allem für Umsteiger, Quereinsteiger und Menschen mit krummen Lebensläufen. Denn das Anschreiben ist die einzige Möglichkeit zu sagen: „Hier bin ich, schau mich an, auch wenn ich im ersten Moment nicht zu passen scheine.“

Leider nutzen die wenigsten Bewerber diese Chance wirklich. Weißt du, was Personaler über die allermeisten Anschreiben zu sagen haben?

Das hier: „Wozu soll ich das lesen, steht ja eh alles im Lebenslauf.“

Alles verlorene Liebesmüh.

Warum? Lass uns dafür mal einen Schritt zurück machen. 

Und uns fragen, wofür Anschreiben tatsächlich verwendet werden. Wozu dienen sie? Die Antwort: als Zusatzinformation, als Motivationsschreiben, als Schreiben, um den Bewerber etwas mehr kennenzulernen.

Genau dazu! Anschreiben dienen dazu, etwas zu erfahren, was nicht schon aus dem Lebenslauf hervorgeht, Zusatzinformationen, Motive oder einen roten Faden. Weitergehende Informationen zu liefern, die er mit den fakten aus dem Lebenslauf abgleichen kann, die diesen ergänzen – oder eben nicht. Leider findet sich jedoch nichts davon im Anschreiben wieder. Meist werden die Fakten aus dem Lebenslauf nochmal geschildert, nur im Fließtext. Das nutzt dem Personalentscheider gar nichts.

Personaler nutzen Anschreiben, um eine Vorstellung von der Persönlichkeit des Bewerbers zu bekommen. Sie erhoffen sich einen ersten Eindruck, um die Passung zur herrschenden Unternehmenskultur zu prüfen. Sie nehmen sie her und denken sich:

„Oh, das ist ja interessant, den will ich kennenlernen

Oder: „Wow, der bringt ja ’ne Wahnsinns-Lebensgeschichte mit!“

Oder: „Die weiß genau, was sie will und was wir brauchen und passt super zu uns!“

Sie denken aber so gut wie nie:

„Schön, dass mir der Lebenslauf nochmal erklärt wird.!“

Da das individuelle Anschreiben für viele Bewerber eine echte Qual ist, sind Vorlagen sehr beliebt. Das ist immerhin der zweithäufigste Suchbegriff bei Google. Viele denken, das hat schon bei anderen funktioniert, also kann es ja nicht so schlecht sein. Ein paar Fakten geändert, auf den eigenen Lebenslauf angepasst und noch ein bisschen ans Unternehmen und fertig.

Glaubt ihr wirklich Personaler erkennen das nicht?

Eher schreckt sie ab: „Das klingt ja, wie beim letzten Bewerber.“

Oder: „Hab ich das nicht gerade schon gelesen?“

Oder: „Das kenne ich doch aus der Vorlagensammlung.“

Das wollen Personaler einfach nicht! Warum also schicken die meisten Bewerber immer noch Anschreiben, die abgeschrieben, mit üblichen Floskeln versehen und austauschbar sind?

Mein Rat ist deshalb immer der Gleiche: Schreib, wie Du es deinem besten Freund erzählen würdest.

Solltest du dich also von jetzt an nur noch bei Unternehmen bewerben, die auf Anschreiben verzichten? Ist das Anschreiben über kurz oder lang sowieso tot?

Das glaub ich nicht. Selbst in Ländern, die ganz andere Arbeitsmärkte und Bewerbungsprozesse haben, wird auf ein solches Schreiben nicht verzichtet. Sicher, sie nennen es Motivationsschreiben, doch es erfüllt denselben Zweck – einen umfassenderen Einblick in den Menschen und seine Motive zu bekommen. Wenn Du als Quereinsteiger oder bunter Vogel also weiter auf Vorlagen setzt, dann ist das in den meisten Fällen ziemlich sinnlos – denn es gibt keinen zweiten Bewerber mit der gleichen Persönlichkeit und den gleichen Motiven. Nutze also deine Chance und sei auch hier einzigartig.

Aber natürlich: Es gibt da ein paar Ausnahmen.

Anschreibenvorlagen können sinnvoll sein, wenn:

  • du dich in einer Branche bewirbst, wo Anschreiben keine große Relevanz haben – wie als Programmierer, auf dem Bau …
  • du deinen Job über einen Vermittler oder Bekannten bekommst
  • du von einem Headhunter angesprochen wirst
  • du bereits durch Veröffentlichungen oder Beiträge einen Namen gemacht hast
  • du über dein LinkedIn oder XING-profil zur Bewerbung aufgefordert wirst

Sollte einer dieser Punkte auf dich zutreffen: Klasse!

Dann lass uns jetzt über das Thema dieses Textes sprechen: dem Aufbau des perfekten Anschreibens.

Diese 5 Schritte sind notwendig:

  1. überlege dir genau, was du an dem Job toll findest
  2. Überleg dir genau, warum du in diesem Unternehmen arbeiten willst
  3. Mach dir klar, was du noch nicht kannst
  4. Erzähl einem guten Freund, warum das der richtige Job für dich ist
  5. Schreib das genauso auf (glätte hinterher nur etwas)

Schritt 1: Finde für dein Anschreiben den Einstieg, der wirklich spannend ist

Das wichtigste Element in deinem Anschreiben ist der erste Satz. Der muss richtig reinziehen.  Denn wenn sie das nicht tun, wird der Journalist nicht weiterlesen – egal, wie viel Mühe du dir gegeben hast. Vergiss nicht, du bist einer von mehreren, die sich auf diese Stelle beworben haben. Alle haben einen ähnlichen Ausbildungsgang uns sicher auch ähnliche Erfahrungen, sonst wären es nicht deine Konkurrenten um den Job.

Du musst dich also fragen: Was habe ich zu bieten, dass den Personalentscheider wirklich interessiert? Womit kann ich punkten? Setzte hier bei deinem stärksten Argument für die Stelle an. Was sprich für dich als Kandidat und was wird dich wahrscheinlich von den anderen unterscheiden. Das kann auch mal ein Einstieg sein, der mir deiner größten Schwäche beginnt:

Nach 13 Jahren Kindererziehung bin ich jetzt dran. Es ist Zeit, mich auf meine Fähigkeiten zu besinnen und sie wieder beruflich zu nutzen.

Oder: Als ich Ihre Anzeige las, fing mein Herz an zu klopfen und meine Augen leuchteten. Seitdem über lege ich, wie ich Sie davon überzeugen kann, dass ich die Richtige für den Job bin …

Nur zur Vervollständigung – beide Anschreiben haben funktioniert. Natürlich müssen solche Sätze zum Schreiber, zur Stelle und zum Unternehmen passen.

Wie aber findest du heraus, welche ersten Sätze funktionieren?
 

Dabei helfen dir diese Fragen:

  • Was ist sehr ungewöhnlich oder richtig stark an meiner Biografie?
  • Bringe ich konkrete Erfahrungen mit, die das Problem des Arbeitgebers lösen?
  • Kannst du konkrete Ergebnisse vermelden?

Dazu eine kleine Gedankenübung: Stell dir mal vor, du stündest in einem Fahrstuhl und solltest dich einem potentiellen Arbeitgeber interessant machen. Am besten wäre, er würde dich nach der Fahrstuhlfahrt auf einen Drink einladen um mehr über dich zu erfahren?

Was wohl nicht so gut funktionieren würde:

„Wie Sie meinem Lebenslauf entnehmen können, habe ich bereits bei XY … gearbeitet.“

Oder: „Sie suchen einen erfahrenen Buchhalter, der XY kann?“

Aber wie wäre es denn hiermit?

„Ich habe gelesen, ihnen bereitet gerade die Einführung eines agilen Systems Kopfschmerzen. Ich kann mir vorstellen, sie hängen da an der Fragestellung, genau die hatten wir in unserem letzten Projekt auch. Aber wir haben es gelöst.“

Bei dieser Variante würdest du bestimmt ein paar neugierige Blicke ernten: Ein Problem gelöst, vor dem wir noch stehen. Da muss ich mehr wissen, das kostet uns schon Wochen.

Siehst du, und bei einem Anschreiben musst du es genauso machen, finde heraus, was das Problem ist, was du auf der Stelle lösen sollst. Beschäftige dich mit dem Unternehmen und seinen aktuellen Fragestellungen.

Aja, ich höre dich jetzt schon: Was das ist irre viel Arbeit. Wie soll ich denn da meine Bewerbungen bewältigen. Ich sitz jetzt schon mehrere Stunden an einem Anschreiben. Wenn ich jetzt noch jedes so individuell schreiben soll, dann krieg ich ja gar keine Bewerbungen mehr vom Tisch. Kann sein, dass es dann nur noch ein oder zwei sind – die aber treffen sicher ins Schwarze und du kannst dir die anderen 64 sparen.

Schritt 2: Spar dir die Einleitung und leg sofort los

Im Idealfall hast du jetzt etwas gefunden, das aufhorchen lässt, weil es ungewöhnlich ist, dein stärkstes Argument oder deine Kennerschaft ausweist.

Ich wiederhole es noch einmal: IN. DEN. ERSTEN. SATZ.

Ja genau, ich wiederhole es zur Sicherheit, denn viele halten sich lieber an Einleitungssätze, die in vielen Bewerbungsratgebern propagiert werden. Dass man mit „… hiermit bewerbe ich mich …“ nicht mehr punkten kann, ist vielen mittlerweile klar.

Aber was ist mit den anderen Formulierungen. Warum auch diese Einleitungen eine ganz schlechte Idee sind?

„Sie suchen einen …“ – meine Reaktion als Personaler. Ich weiß, was ich suche, das brauchst du mir nicht nochmal erzählen.

„Vielen Dank für das freundliche Telefonat …“ an das ich mich im Zweifel nicht erinnere und das leider wahrscheinlich nie stattgefunden hat.

Ein Satz wie „Wie Sie meinem Lebenslauf entnehmen können“ gehört deshalb unbedingt in die Abteilung „Auf gar keinen Fall machen, schreckt ab“. Der Personaler weiß, dass er die wesentlichen Informationen im Lebenslauf findet – ein solcher Hinweis ist also nicht nur überflüssig, sondern wird oft als anmaßend empfunden.

Oder nehmen wir mal den Anfang dieses Anschreibens:

Die Corona-Krise hat für den Kulturbereich vielfältige Herausforderungen gebracht“.

Den Satz könnte man sofort streichen – da steht nämlich nix Neues drin.

„Dies ist keine gewöhnliche Bewerbung. Wie Sie sehen, startet sie nicht mit ‘hiermit bewerbe ich mich’. Diesen Satz sehen Sie vermutlich dutzende Male am Tag. Wissen Sie, ich bin ein fundamental kreativer Mensch…” – haut mich nicht vom Hocker – klar ist es eine normale Bewerbung.

Das gilt nicht bei diesem Satz:

„Als kreativer Mensch eine normale Bewerbung zu schreiben fällt mir schwer. Deshalb …“

Merkst du den Unterschied? Im zweiten Beispiel wird eine „Schwäche“ an den Anfang gestellt und die Kreativität sofort ins Blickfeld gerückt.

Tipp: Wenn du also richtig gute Anschreiben schreiben willst, vertrau dir, deiner Motivation, deinen Stärken und Erfahrungen. Du brauchst keine Vorlage, um zu überzeugen.

Saug dir nichts aus den Fingern

Immer wider lese ich Tipps wie: Du musst diene Motivation für den Arbeitgeber beweisen. Such irgendwas, was dich mit ihm verbindet.

Naja, wenn es so einen Punkt gibt, solltest du ihn selbstverständlich nutzen. Aber manchmal findet man einfach die Aufgabe toll. Und in diesem Fällen kannst du das auch so sagen. Es ist jedenfalls besser, als sich krampfhaft zu überlegen, warum du genau bei dem Arbeitgeber arbeiten willst. Vielleich ist es auch die Branche insgesamt, die dich interessiert, dann schreib das. Hauptsache, die Beziehung ist echt.

Oder wie käme das bei dir an: Ihre Organisation ist an der Schnittselle zwischen Politik und Wirtschaft. das interessiert mich sehr.

Oder auch: Aus meiner Tätigkeit im Gesundheitswesen schätze ich den hohen Stellenwert der Unabhängigkeit, karitativen Zielsetzung und Freiwilligkeit der Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes.

Besser klingt: meine Stadt mitgestalten? Ja, das wäre schon was. Ich möchte gern, dass Berlin eine Stadt ist, in der Menschen jeden Alters, jeder Hautfarbe und Menschen mit Behinderung leben wollen, sich wohl fühlen und damit das auch so bleibt, würde ich gern daran mitarbeiten.

Oder: Mit XXX können sich die Entwicklungschancen ergeben, die ich als proaktive und reflektierte Macherin suche und biete. Ich freue mich von Ihnen zu hören.

Warum nicht schreiben, was dir wichtig ist: Derzeit orientiere ich mich beruflich neu, da ich meinen Lebensmittelpunkt wieder nach Deutschland verlegt habe. Im Zuge dessen, bin ich auf Ihre Ausschreibung aufmerksam geworden. Die Arbeit in einem Unternehmen, das meine Werte reflektiert ist für mich wichtig.  Eine faire Bezahlung, die auf einem Gerechtigkeitsprinzip basiert, ist für mich Voraussetzung.  Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Was für dich spricht

Und nun folgen 3-5 konkrete Punkte, die für dich sprechen. das können ergebnisse deiner bisherigen Arbeit sein, das kann eine aktuelle Qualifizierung sein oder auch dein echtes Interesse an der Aufgabe, mit der du bisher noch nichts o viel zu tun hattest.

Stell Dir die Formulierung vor: Seit ich Ihre Anzeige gelesen habe, über lege ich, was für mich spricht: Gehe bei deinen Antworten (erstmal für dich) davon aus, warum dich die Anzeige angesrochen hat und was du für die Aufgabe mitbringst. Konzentriere dich zuerst an den Aufgaben und nicht an den Anforderungen. Überlege, was diese Aufgaben bedeuten, warum sie wichtig sind und wie du sie ausfüllen kannst. Mach dir eine Liste:

Bewerbung als Personalerin:

  • Krankenschwester – Menschenkenntnis, Gesprächsführung
  • BWL-Studium – kostenbewusst
  • aktuelle Weiterbildung zur Referentin Personal
  • Jobrotationprogramm bei XXX implementiert
  • gutes Händchen in der Personalauswahl bei als Führungskraft bei XXX

Bewerbung als PR-Referentin

  • Mitarbeit als Ferienjobberin in Disneyland Paris
  • Aushilfe im Ferienpark Rust
  • Mitarbeit an einer Marketingkampagne für Seaworld Berlin
  • Bloggerin zu Attraktionen in Berlin
  • Markeingstudium

Denk immer daran, Unternehmen wollen, dass die Aufgaben erledigt werden. Konzentriere dich dehalb darauf nachzuweisen, dass du das kannst. Und wenn du einen Punkt nicht kannst – herrgott das kannst lernen – schwindle hier bloß nicht, sondern gib es zu.

Noch was zum Schluss

Wenn nach Eintrittstermin und Gehalt gefragt wird – antworte darauf. Beim Gehalt empfehle ich dir, dich vorher etwas zu orientieren. Da gibt es gute Internetseiten: https://www.gehalt.de/ und auch auf kununu findet du oft Angaben sogar zu einzelnen Firmen.

Stelle die Gehaltsangabe immer als Jahresgehalt dar. Das ermöglicht dem Personaler aus verschiedenen Töpfen zu schöpfen und er kann Ticket, Altersversorgung u.a. mit einrechnen. Bei einer Spanne dagegen wird er in der Regel am untersten Rand ansetzen und versuchen dich noch ein bisschen runter zu handeln, Am besten schreibst du: Meine Gehaltsvorstellungen liegen bei xx.xxx € p.a. Damit signalisierst du Verhandlungsbereitschft, die aber nicht über 2000 – 3000 € pro Jahr hinausgehen sollte und die du vorher mit eingepreist hast.

Und wenn Du jetzt was über Lebensläufe erfahren willst, dann schau hier.